Verein für Niebüller Geschichte

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Das Jahresheft „Niebüller Geschichtsblätter“
Im Vorstand haben wir beschlossen, einmal im Jahr ein Jahresheft herauszubringen,
das den Titel „Niebüller Geschichtsblätter“ trägt. Die 1. Ausgabe kam im November 2016 heraus mit einer Auflage von 800 Exemplaren. Wir sind sehr erfreut über das große Interesse an diesem Jahresheft und gehen schon in die Planung für das Jahr 2017. Die Dokumente, die wir seit der Gründung unseres Vereins am 26. Oktober 2000 mit Hilfe der Bürger und der Vereinsmitglieder gesammelt haben, werden wir in den folgenden Ausgaben präsentieren und unsere Leser teilhaben lassen an unserer Arbeit im Verein. Viele Generationen haben das Werden und Wachsen unseres Ortes mitgeprägt. Es wird in den Beiträgen unserer Jahreshefte um Ereignisse des alltäglichen Lebens und ebenfalls um die Geisteshaltung von Personen gehen, die maßgeblich das Bild des Ortes und seit 1960 das der Stadt Niebüll mitgestaltet haben. Wir bedienen uns dabei aus dem reichhaltigen Fundus unseres Geschichtsarchivs.
Beate Jandt

 

                                 Ausstellungseröffnung am 15. 3. 2015 im Richard Haizmann Museum
Die Ausstellung „Niebüll im Nationalsozialismus“ wirkte wie ein Magnet auf die zeitgeschichtlich interessierte Bevölkerung der ehemaligen Kreisstadt. Über 320 Besucher kamen zur Eröffnung in das Richard Haizmann Museum. Die Mitglieder des Geschichtsvereins haben in jahrelanger Vorbereitung Fotografien und Gegenstände aus den 30er und 40er Jahren gesammelt und nun ausgestellt. Parallel dazu sind zwei Bücher erschienen: Eine Dokumentation der Ereignisse im Spiegel der lokalen Presse, zusammengestellt von Wolfgang Raloff und eine Befragung von Niebüller Zeitzeugen sowie persönliche Berichte aus der Zeit des Dritten Reiches, aufgeschrieben von Beate und Wolfgang Jandt. In Kürze erscheint eine Sammlung von Briefen, die Dr. Charlotte Heidrich am Kriegsende an ihren Mann schrieb, zusammengestellt von Albert Panten. In seiner Begrüßung schlug Hausherr Dr. Uwe Haupenthal einen Bogen von dem gesellschaftlichen und politischen Hintergrund der NS-Zeit bis zu Richard Haizmann, der im Jahre 1934 als „entarteter“ Künstler nach Niebüll kam. Landrat Dieter Harrsen hob hervor, dass er gern die Schirmherrschaft über die Ausstellung übernommen habe. In seinem Vortrag warnte er vor populistischen Ansätzen, wie sie zum Beispiel bei der Pegida zum Ausdruck kommen, und beschwor die demokratische Ordnung in Deutschland, die nur durch den engagierten Einsatz der Zivilgesellschaft aufrecht erhalten und weiterentwickelt werden könne. Bürgermeister Wilfried Bockholt zeigte sich nach der Lektüre der Zeitungsrecherche von Wolfgang Raloff tief betroffen über die Begeisterung, mit der die Demokratie 1933 zu Grabe getragen wurde, und wie sich alle Vereine und Organisationen bereitwillig der Gleichschaltung unterwarfen. Die Vorsitzende des Geschichtsvereins, Beate Jandt, dankte allen Sponsoren und den Bürgerinnen und Bürgern für ihre Unterstützung. Nur mit ihrem Beitrag konnte die Vielfalt und der enge Bezug auf unseren Kreisort Niebüll erreicht werden. Sie verwies darauf, dass die Fotos und die Zitate aus der Zeitung eine Einheit bildeten. „Wir haben uns vorgenommen, die Bilder und Texte für sich sprechen zu lassen und uns einer persönlichen Bewertung weitgehend zu enthalten. Wir denken, dass der aufmerksame Betrachter sich ein eigenes Urteil bilden wird.“
Die Ausstellung wurde bis zum 3. Mai 2015 gezeigt!

 

 

Finissage am 3. Mai 2015
70 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges haben wir mit unserem Projekt „Niebüll im Nationalsozialismus“ den Nerv der Geschichte unserer Stadt getroffen. Diese Ausstellung hatte, den heutigen Tag eingeschlossen, mehr als 2.500 Besucher, darunter 10 Schulklassen: der FPS, der Beruflichen Schule und der Gemeinschaftsschule.
Es kamen Gäste aus ganz Deutschland in unser Museum. Manche Urlauber, die ihre Osterferien hier verbrachten, haben ihren Aufenthalt in unserer Stadt spontan zu einem Ausstellungsbesuch genutzt. Auffällig viele Besucher kamen aus Dänemark, um sich zu informieren. Ihr Interesse hat uns beeindruckt und gezeigt, wie entspannt wir heute miteinander umgehen können.
Viele Besucher waren auf der Spurensuche nach ihrer Familiengeschichte im Dritten Reich. Einige Ältere haben sich und ihre Freunde und Bekannten auf den Fotos wiedererkannt. Sie berichteten freimütig über die Zeit, in der sie Kinder oder Heranwachsende waren. Sie fühlten sich hier nicht als Beschuldigte, die dem System in der HJ oder dem BDM gedient hatten.
Das entspricht ganz und gar unserem Konzept: wir zeigen in Bildern, was hier in Niebüll gewesen ist, wir dokumentieren in Zeitungsberichten die 12 Jahre der Naziherrschaft, aber wir heben nicht den moralischen Zeigefinger.
Es wurde bemängelt, dass wir nichts über die Ursachen und Anfänge des Nationalsozialismus zeigen. Ich erinnere dazu an den Vortrag von Albert Panten am 27. Februar 2014 im Rathaussaal über die „Entwicklung des völkischen Gedankens in Niebüll“ anhand von Beispielen aus der Zeit von 1900 bis 1933.
Uns ist auch bewusst, dass wir eine Reihe von Mitbürgern mit unserem Projekt nicht erreicht haben. Das bedauern wir sehr, aber es ist eine Tatsache, mit der wir leben müssen.
Wir sind jedoch überzeugt, dass die demokratischen Grundlagen der Gewaltenteilung, des offenen Diskurses, der Kompromissfindung, mit anderen Worten, dass der freiheitliche Rechtsstaat uns inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Dafür treten wir ein, und dafür haben wir letzten Endes diese Arbeit gemacht.
Ich danke jedem Einzelnen in unserem Geschichtsteam für seinen Beitrag an unserem Projekt. Wir haben alle einen persönlichen Gewinn daraus gezogen und unser Wissen erweitert. Den vielen Besuchern danken wir dafür, dass sie unser Angebot angenommen haben.
Beate Jandt

 


Vortrag von Wolfgang Raloff am 26. Februar 2015 in der VR-Bank,
vorbereitet von der Stadtbücherei.
Vortrag

 

"Lebensbilder"   als PDF-Datei

Das Buch ist leider nicht mehr erhältlich...
 

 
Gedenkstein von 1898 auf dem Parkfriedhof

Der Verein für Niebüller Geschichte e.V. gibt heute, am 7. Mai 2014, hier auf dem Parkfriedhof den Gedenkstein von 1898 der Öffentlichkeit zurück.

Er zeigt das Profil Kaiser Wilhelm I. und eine Gedenkplatte mit der Inschrift:
„Zur Erinnerung an den glorreichen Feldzug 1870 -71 den gefallenen Kameraden
vom Kampfgenossenverein gewidmet --- 1898“

Ursprünglich hatte dieser Findlingsblock auf einem Sockel von Feldsteinen geruht und war gekrönt von einem bronzenen Adler. Das Denkmal wurde 1898 vor dem Südportal der Niebüller Christuskirche aufgestellt und 1970 auf Beschluss des Kirchenvorstandes und der Stadtvertretung vom THW abgetragen.
Ein Augenzeuge berichtete uns, dass er eines Morgens auf dem Weg zur Arbeit die Trümmer des Adlers auf der Erde liegen sah. Diese Zerstörung war vermutlich der Anlass dafür, das gesamte Kriegerdenkmal zu entfernen. Es stammte aus einer Zeit, mit der man nichts anfangen konnte und auch nichts zu tun haben wollte.
Nach der schleswig-holsteinischen Erhebung 1848 und dem Krieg von 1864 gegen Dänemark wurden landesweit Kriegervereine gegründet, die sich um die Unterstützung der Hinterbliebenen kümmerten und sich für die Errichtung und Pflege von Gedenksteinen einsetzten. Nach der Reichsgründung 1871 infolge des deutsch-französischen Krieges schlugen die Wellen der vaterländischen Begeisterung in ganz Deutschland noch höher, und die Kriegervereine, die ursprünglich politisch neutral waren, wurden als Gegengewicht zur verstärkten Organisation der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie aufgebaut.
Auch in Tondern, bis 1920 Amtssitz des deutschen Kreises Tondern, zu dem auch das heutige Amt Südtondern gehörte, wurde 1896 ein ähnliches Kriegerdenkmal errichtet. Es hat die Form einer Stele, auf der alle Namen der Gefallenen des Kreises Tondern eingraviert sind, dazu ein Relief des Kaisers und der Adler als Krönung.
Bis 1945 stand das Denkmal in der Stadtmitte auf dem Kirchplatz neben dem Rathaus. Nach der Befreiung Dänemarks von der deutschen Besatzung wurde es im Juni 1945 entfernt und für 10 Jahre deponiert. Im Rahmen der Bonn-Kopenhagener Erklärung von 1955 wurde es hinter der Schweizerhalle, dem deutschen Versammlungshaus, wiedererrichtet. 40 Jahre später, und nach heftiger Diskussion, fand das Denkmal 1995 seine aktuelle Ruhestätte auf dem Tonderaner Friedhof in unmittelbarer Nähe der Soldatengräber des 1. Weltkrieges.
Der zentrale Granitstein des Niebüller Ehrenmals lag 40 Jahre unbemerkt im Grünstreifen des Parkfriedhofs, mit der unbeschädigten Inschrift nach unten. Das Relief des Kaisers war ebenfalls erhalten geblieben und befand sich bereits im Besitz des Geschichtsvereins.
Von dem Adler gibt es weiterhin keine Spur. Auch der Tonderaner Adler ist „entflogen“. Sein Aufenthalt ist aber bekannt: Er befindet sich im Schloss von Sonderburg im Museum.
Der Verein für Niebüller Geschichte kümmert sich um den Erhalt von Zeugnissen der Vergangenheit unserer Stadt und bewahrt sie für unsere Nachkommen. Wir enthalten uns dabei weitgehend einer aktuellen Bewertung, denn jede Zeit muss ihren eigenen Zugang zur Vergangenheit finden.
Wir danken dem Kirchenvorstand für die Genehmigung, den Gedenkstein auf dem Parkfriedhof aufzustellen. Unser Dank gilt auch dem Steinmetz Udo Funk für das Bearbeiten und Aufstellen des Steines. Die Kosten dafür hat der Verein für Niebüller Geschichte übernommen.
Beate Jandt

 
Der Bierkönig kommt ins Andersen-Hüs

Das Wandbild des Friesenmalers Carl Ludwig Jessen wird für die Nachwelt erhalten.
Dieses Kunstwerk hatte man fast vergessen: Im früheren Schankraum der ehemaligen Gaststätte „Morgenstern“ in Niebüll-Deezbüll befand sich ein nahezu unbekanntes Wandbild des Friesenmalers Carl Ludwig Jessen. Der Abriss des Hauses steht an, doch längst waren die Retter des „Bierkönigs“ aktiv.
Denn auf Initiative des Niebüller Geschichtsvereins, dem Lars Brunk das Wandbild geschenkt hatte, wird das skurrile Kunstwerk nun gerettet und wandert nach der Restaurierung ins Andersen-Hus nach Klockries. Dies gaben Beate Jandt, Vorsitzende des Niebüller Geschichtsvereins und Gerhard Johannsen, 2. Vorsitzender des Ostermooriger Friesenvereins, jetzt bekannt.
Es liest sich wie ein Krimi. Denn so ohne weiteres konnte der aufgemalte „Bierkkönig“ nicht von der Wand gelöst werden. Eine Spezialfirma aus Lübeck musste beauftragt werden. Am 17. März 2014 galt es, das Wandteil herauszulösen und zu konservieren.
Vier Tage lang waren die Spezialisten am Werk. Sie verklebten das Werk mit Japanpapier und verschränkten die Fläche mit einer umfangreichen Holzkonstruktion, um ein Auseinanderbrechen zu verhindern. Dann wurde die Mauer seitlich entfernt. Ein spannender Moment: Hier stand alles auf der Kippe. Hauseigentümer Lars Brunk und die Helfer des Friesenvereins atmeten ebenso durch wie die Restauratoren, als die Operation trotz lädierter Hände perfekt war. Nach der gelungenen Aktion wurde der „Bierkönig“ mit einem Spezialtransporter nach Lübeck in die Werkstatt überführt, wo er durch einen Stahlträger auf der Rückseite stabilisiert und bald in neuem Glanz erstrahlen wird.
Beate Jandt und Gerhard Johannsen hatten zuvor für die kostspielige Arbeit und die Restaurierung fast 17.000 Euro zusammengesammelt. Sie fanden Unterstützung bei der Friede-Springer-Stiftung, dem Bürgerwind-Park Niebüll, der NOSPA, den Stadtwerken und vielen Privatpersonen.
Bei der Standortwahl gab es Soforthilfe von dem Ostermooriger Friesenverein. Denn ursprünglich sollte der Bierkönig ins Niebüller Friesenmuseum. Doch dort war der Platz nicht ausreichend, so dass der Friesenverein Niebüll-Deezbüll absagte. Nun kam das Andersen-Hüs ins Spiel. In einer schlaflosen Nacht fiel Beate Jandt das beliebte Kulturzentrum ein. Belesen wie sie ist, wusste sie, dass Carl Ludwig Jessen einige Zeit in Klockries gelebt hatte. In den Jahren zwischen 1869 und 1874. »Das passt«, dachte sie sich. Die Ostermooringer Friesen sahen es genauso.
»Das Bild gehört in die Region!“ waren sich die Vereinsvorstände schnell einig. Und es ist im stark frequentierten Andersen-Hüs am richtigen Platz. Hier gibt es Bier, hier sind die Friesen zuhause. Und genau dort wird der Bierkönig ganz vorn, wie es sich gebührt, im Veranstaltungsraum platziert.
Eine Niebüllerin verfolgt das Geschehen aufmerksam: "Ich bin mit dem Bild vom Bierkönig aufgewachsen", sagt Josefine Jansen, Schwester von Hans-Joachim Kühl. Der Kaufmann war der Inhaber der Gaststätte Morgenstern. "Mein Großvater hat die Gaststätte 1888 erworben. Der Raum mit dem Bierkönig gehörte damals zur Gaststube dazu“, erzählt Josefine Jansen. Ihre Mutter ließ es vor langer Zeit von dem Hamburger Künstler Tom Hops restaurieren.
Die Einweihungsfeier ist für diesen Sommer geplant.
Der Kunsthistoriker und Carl Ludwig Jessen-Kenner Nr. 1, Professor Dr. Ulrich Schulte-Wülwer, wird die Festrede halten. Es soll ein richtig tolles Fest werden. Nur schade, dass die Brauereien als Sponsoren das Potenzial des Bierkönigs noch nicht entdeckt haben. Beate Jandt setzt nun darauf, dass es noch ortsansässige Geldgeber gibt, damit die Rettung des „Bierkönigs“ und der Einbau am neuen Standort vollständig finanziert werden können. Zum Wandbild selbst: Das Gemälde zeigt einen prachtvoll gekleideten Herrscher, der seinen Thron auf einer Bühne im Wald aufgestellt hat. Der stattliche, vollbärtige Riese hält jedoch kein Zepter in der Hand, sondern ein Maß Bier. Ein holder Knabe schaut zu ihm auf. Im unteren Teil des Bildes, das bislang von einem Heizkörper verdeckt war, sind zwei Männer beim Zuprosten zu entdecken. Während der eine ein trinkfester Burschenschaftsstudent sein dürfte, ist der „Herr mit Hut und Bart“ mit großer Wahrscheinlichkeit Carl Ludwig Jessen selbst. Der frühere Gastwirt Nicolay Nissen war ein Schwager des Künstlers. Er könnte das Bild in Auftrag gegeben haben – um die Gaststube zu schmücken.

Juni 2018                    ©Geschichtsverein-Niebüll - Jandt/Knudsen                    Index