Verein für Niebüller Geschichte

Straßennamen nach Persönlichkeiten (1)         Seite 2

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Namen von Persönlichkeiten, denen Straßennamen
in Niebüll gewidmet wurden.

Aus dem städtischen Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr und Fremdenverkehr kam eine Anfrage an den „Verein für Niebüller Geschichte e.V.“, ob er zu den Namen von Persönlichkeiten, denen Straßennamen in Niebüll gewidmet wurden, einige Ausführungen machen könnte.
Wir vom Verein haben in verschiedenen Quellen recherchiert. Die Bearbeitung wurde von Max Petersen und Beate und Wolfgang Jandt durchgeführt. Die Absicht war und ist, unter das Straßenschild ein kleines Schild mit Erläuterungen zur Person hinzuzufügen (siehe 2. Zeile einer jeden beschriebenen Person), so wie es schon in anderen Städten zu sehen ist. Das könnte ein Beitrag der Stadt sein zum Jubiläum „50 Jahre Stadt Niebüll“ im Jahre 2010. Es wirkt Identität stiftend und stärkt das Geschichtsbewusstsein der Niebüller Bürgerinnen und Bürger.

 

Alex-Eckener-Weg
Alex Eckener, 1870 – 1944, Maler und Grafiker

Alex Eckener war gebürtiger Flensburger und jüngerer Bruder des Zeppelinfahrers Hugo Eckener. Alexander „Alex“ studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München und kehrte 1892 in seine Heimatstadt zurück. 1899 ging er nach Stuttgart, wo er 1908 zum Professor für Lithographie und Holzschnitt avancierte. Seine eigentliche Stärke lag auf dem Gebiet der Radierung. Er schrieb die Erzählung „Dat swarte Peerd“ und versah sie mit Illustrationen. Auch illustrierte er Storms „Schimmelreiter“.

Alwin-Lensch-Straße
Alwin Lensch, 1880 – 1938, Rektor und Mitbegründer der Wohnungsbaugenossenschaft

Alwin Lensch war von 1912 – 1938 mit einjähriger Unterbrechung Leiter der Volksschule in Niebüll. Er hat sich besonders um das Schulwesen verdient gemacht (Volksschule, Berufsschule, Einrichtungen der Friedrich-Paulsen-Schule ). Die Grundschule trägt seinen Namen. Er erwarb sich nach 1920 große Verdienste um die Entstehung der „Siedlung“ im Westen der Stadt. Auch war er Mitglied im Kreistag und Kreisausschuss des ehemaligen Kreises Südtondern.

Thomas-Steenholdt-Weg
Thomas Steenholdt, 1885 – 1959, Schulleiter in Deezbüll

Thomas Steenholdt war vom 1.12.1931 – 30.9.1950 ununterbrochen als Hauptlehrer an der Deezbüller Volksschule tätig. Seine Vorgänger waren zugleich Küster der Kirche in Deezbüll. Er aber war der erste Lehrer ohne Küstertätigkeit, obwohl man ihn ständig als „Küster“ bezeichnete. Steenholdt besuchte die Präparanden-anstalt in Lunden von 1901 – 1904 und von 1904 – 1907 das bekannte Lehrerseminar in Tondern. Thomas Steenholdt war ein Lehrer aus Passion. Da er stets die letzten Jahrgangsklassen unterrichtete, war es ihm ein besonderes Anliegen, seinen Schülerinnen und Schülern das beste Rüstzeug für das weitere Leben mit auf den Weg zu geben. Viele Deezbüller und auch Gastschüler aus den benachbarten Kögen erinnern sich gern an diesen bedeutenden Pädagogen.

Katharine-Ingwersen-Weg
Katharine Ingwersen, 1879 – 1968, Lehrerin und friesische Heimatdichterin.

Katharine Ingwersen erblickte am 17.6.1879 in einem kleinen friesischen Reetdachhaus am Deezbüller Deich das Licht der Welt. Ihre Eltern entstammten einem alteingesessenen Deezbüller Friesengeschlecht. Von 1898–1901 besuchte sie das Lehrerinnenseminar in Schleswig. Nach bestandenem Examen wurde sie an ihre alte Schule in Deezbüll berufen. Hier versah sie in einer 44jährigen Tätigkeit mit großer Liebe und pädagogischem Geschick das Erzieheramt. Sie widmete sich darüber hinaus in vielen Beiträgen der friesischen Sprache und dem friesischen Volkstum. Sie erwarb sich große Verdienste als Lehrerin und Heimatdichterin und hat durch ihren enormen Einsatz die Grundlagen für das friesische Volkstum gelegt.

Nelle-Jannsen-Weg
Tusnelda Jannsen, 1863 – 1947, Lehrerin, Schriftstellerin

Tusnelda Jannsen, in Deezbüll geboren, war Jahrzehnte lang als Handarbeitslehrerin tätig und verfasste verschiedene kleine Schriften und Geschichten in friesischer Sprache, u.a. über Weihnachtsbräuche. Lesenswert sind auch ihre Aufzeichnungen über die Nachkriegszeit 1945/46. Den Kindern und Bedürftigen war sie als Wohltäterin bekannt.

Andreas-Christiansen-Straße
Andreas Christiansen, 1811 – 1889 Bauer und Stifter

Andreas Christiansen wurde am 1.10.1811 in Niebüll geboren. Er heiratete eine Bauerntochter aus dem Marienkoog. Durch gutes Wirtschaften verstand er es, die Eigentums- und Vermögensverhältnisse zu verbessern. Die Ehe blieb kinderlos. Er und seine Frau verfügten testamentarisch, Armen und Notleidenden der Gemeinden Marienkoog, Niebüll und Deezbüll zu helfen. Dafür wurde eine freie Stiftung eingerichtet, die noch heute besteht. Die Zinsen des Kapitals werden zu gleichen Teilen an die drei Gemeinden verteilt.

Lorenz-Jannsen-Straße
Lorenz Jannsen, 1734 – 1814, Bauer und Stifter

Lorenz Jannsen ist in Niebüll geboren. Er war Bauer. Seinen landwirtschaftlichen Betrieb schuf er im 1706 erschlossenen Neuen Christian-Albrechts-Koog in der Zeit von 1716 – 1720. Der Hof wurde als Pachthof betrieben. Lorenz Jannsen war nicht verheiratet. In seinem Testament bestimmte er, dass die Nettoeinkünfte aus seinem Besitz im Rahmen einer freien Stiftung den Bedürftigen der Gemeinden Christian-Albrechts-Koog, Niebüll und Deezbüll zugute kommen sollten. Die Ausschüttung sollte der jeweilige Deichvogt des Christian-Albrechts-Kooges vornehmen.
Der Hof ist auch heute noch im Besitz der Stiftung und muss erhalten bleiben. Im Stiftungsrat gibt es für jede der drei Gemeinden einen Zuständigen.
Frederik VI. (1768 – 1839), König von Gottes Gnaden zu Dänemark, Norwegen, der Wenden und Goten, Herzog zu Schleswig, Holstein, Stormarn, Dithmarschen und Lauenburg hat seinerzeit die Lorenz-Jannsen-Stiftung genehmigt.

Hebbelstraße
Friedrich Hebbel, 1813 – 1863, Dramatiker und Lyriker

Friedrich Hebbel war ein deutscher Dramatiker und Lyriker. Er wurde in Wesselburen in Dithmarschen geboren und lebte in ärmlichen Verhältnissen. Nach vielen Stationen und Fußmärschen durch Deutschland und Europa in häufiger finanzieller Notlage heiratete er 1846 in Wien die Burgschauspielerin Christine Enghaus. Von nun an lebte er bis zu seinem Tod in gesichertem materiellen Wohlstand. Sein größter literarischer Erfolg blieb bis heute das 1843 entstandene Drama „Maria Magdalena“.

Carl-Ludwig-Jessen-Straße
Carl Ludwig Jessen, 1833 – 1917, Heimat- und Friesenmaler

Durch ein Stipendium erhielt Carl Ludwig Jessen ab 1856 eine Akademieausbildung in Kopenhagen. 1865 kehrte er in seine Heimat zurück, erhielt 1867 ein Reisestipendium, das ihm zwei Jahre Aufenthalt in Paris und Rom ermöglichte. 1875 ließ er sich endgültig in Deezbüll nieder. Mit Aufträgen von Kirchengemeinden und Portraitmalerei sicherte er seinen Lebensunterhalt.
Sein Weg zum anerkannten Maler beginnt mit dem Ankauf des „Thinggerichts“ durch den Kieler Kunstverein 1875. Nach seiner Heirat 1893 kaufte er das sog. Turmhaus und bezog es im Jahr darauf.
Aus Anlass seines 150. Geburtstages wurden 1983 in den Museen in Niebüll und Husum viele Bilder von Carl Ludwig Jessen gezeigt.

Momme-Nissen-Weg
Momme Nissen, 1870 - 1943, Kunstmaler

Momme Nissen wurde in Deezbüll geboren und malte nach einer Lehre bei seinem Onkel Carl Ludwig Jessen Landschaften und Portraits. In seinen Bildern aus Nordfriesland dokumentierte er u.a. Interieurs friesischer Häuser im Stil der Heimatmalerei.
Er schloss sich den „Rembrandtdeutschen“ an und war Sekretär von Julius Langbehn, der ihn mit seiner Theorie der Erneuerung des Geisteslebens aus Kunst und Volkstum fesselte.
Nach seinem Übertritt zur katholischen Kirche wurde Momme Nissen 1916 Dominikanermönch und Priester.

Hans-Peter-Feddersen-Straße
Hans-Peter Feddersen, 1848 – 1941, Kunstmaler

Professor Hans-Peter Feddersen (der Jüngere) wurde in Westerschnatebüll geboren. Sein Vater war Bauer und ein hervorragender Portraitzeichner. Mit 18 Jahren ging H-P.F. d.J.
zur Akademie nach Düsseldorf und studierte danach an der Kunstschule Weimar. 1885 nahm er im Kleiseerkoog bei Niebüll seinen endgültigen Wohnsitz.
H.-P.F. ist der Entdecker der Landschaft Nordfrieslands. Er war der erste, der mit Palette, Farbkasten und einem Klappstuhl die Wiesen und Felder durchstreifte und im Wettlauf mit den ständig sich ändernden Wetter- und Lichtverhältnissen kleinformatige Landschaftsstudien malte.

Hans-Plutta-Weg
Hans Plutta, 1902 – 1980, Kunstmaler

Hans Plutta wurde in Kiel als Sohn eines Kapitäns geboren. Er besuchte die Kunstgewerbeschule seiner Heimatstadt und in den 1920er Jahren die Kunstakademie Berlin. Nach dem 2. Weltkrieg zog er nach Niebüll und entwickelte sich zu einem bedeutenden Maler heimischer Motive, vor allen Dingen der Nordsee in ihren vielen Facetten.

Klaus-Groth-Straße
Klaus Groth, 1819-1899, niederdeutscher Dichter

Klaus Groth wurde in Heide/Dithmarschen geboren, besuchte mit 18 Jahren das Lehrerseminar in Tondern und schied schon mit 28 Jahren aus dem Schuldienst aus. Auf Fehmarn schrieb er seine plattdeutsche Gedichtsammlung „Quickborn“, die ihn berühmt machte.
Dem Erhalt und der Pflege des literarischen Gesamtwerkes widmet sich die Klaus-Groth-Gesellschaft.

Theodor-Storm-Straße
Theodor Storm, 1817 – 1888, Dichter

Theodor Storm war sowohl als Lyriker als auch als Autor von Novellen und Prosa des deutschen Realismus bedeutsam. Im bürgerlichen Beruf war er Jurist. Er studierte in Kiel und Berlin und eröffnete 1843 eine Anwaltskanzlei in Husum. 1852 erteilte ihm der dänische Staat ein Berufsverbot. Storm ging nach Potsdam und Heiligenstadt und kehrte nach 1864 ins nunmehr preußische Husum zurück. Er wurde Amtsgerichtsrat und zog nach seinem Ruhestand nach Hademarschen in Holstein.
Zahlreiche Werke Storms spielen in Husum und seiner Umgebung. Die Erzählung
„Der Schimmelreiter“ wurde mehrfach verfilmt und wird häufig als Lektüre im Deutschunterricht verwendet.

Claudiusstraße
Andreas Christian Claudius, von 1770 – 1787 Pastor in Deezbüll

Er war ein Vetter des bekannten Dichters Matthias Claudius.

Emil-Nolde-Straße
Emil Nolde, 1867 – 1956, Maler

Emil Nolde war einer der führenden Maler des deutschen Expressionismus. Er ist einer der großen Aquarellisten in der Kunst des 20. Jh. Nolde ist bekannt für seine ausdrucksstarke Farbwahl.
Als Hans Emil Hansen in Nolde, Gemeinde Buhrkall geboren, nannte er sich ab 1902 nach seinem nordschleswigschen Heimatort. 1937 wurde sein neues Wohnhaus mit Atelier in Seebüll fertiggestellt. Nach dem Malverbot, das 1941 über ihn verhängt wurde, schuf er in Seebüll über 1300 kleinformatige Aquarelle, die er später als seine „Ungemalten Bilder“ bezeichnete.
Nach dem Kriege erhielt Emil Nolde zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen. Aus seinem Nachlass entstand 1957 die Nolde – Stiftung.

Friedrich-Paulsen-Straße
Friedrich Paulsen, 1846 – 1908, Philosoph und Pädagoge

Friedrich Paulsen wurde als Bauernsohn in Langenhorn geboren. Als Professor an der Berliner Universität wollte er die Philosophie „wieder in Beziehung zu der Bildung und den Aufgaben der Zeit setzen“.
Das Gymnasium in Niebüll trägt seinen Namen. Über sich selbst verfasste Friedrich Paulsen drei Jahre vor seinem Tod den bewegenden Spruch:

    Der Wahrheit und der gesamten Vernunft Freund,
    Feind der Lüge und dem Schein,
    ein Anhänger der guten Sache, auch der nicht siegreichen,
    der Ehre der Welt nicht allzu begierig,
    nicht im Gefolge des Willens zur Macht,
    der Heimat treu,
    den Eltern und Lehrern seiner Jugend dankbar zugetan,
    lebte er in einer Zeit, die von dem allen das Gegenteil hielt,
    und verließ darum nicht unwillig diese Welt
    in der Hoffnung einer besseren.

Kurt-Bachmann-Ring
Kurt Bachmann, 1902 – 1987, Gärtner und Tierpräparator

Kurt Bachmann wurde in Celle geboren. Nach dem Besuch der Höheren Landbauschule in Soest und der Ausbildung zum Tierpräparator in Ravensburg arbeitete er in Ostpreußen und baute sich dort eine Gärtnerei auf. Nach dem Krieg begann er 1949 mit dem Aufbau einer Gärtnerei in Niebüll (Kornkoog), die er 1974 an seinen Sohn Jürgen Bachmann übergab.
Seine Sammlung von Tierpräparaten und Mineralien sowie unzähligen Versteinerungen stiftete er dem Naturkundemuseum.

Karl-Friedrich-Straße
Karl Friedrich Jannsen, verst. 1910, Bauer und Amtsvorsteher

Karl Friedrich Jannsen war von 1886-1910 zunächst Gemeindevorsteher von Niebüll und später Amtsvorsteher. Er war auch Deichvogt des Bökingharder Gottekooges und gehörte dem Aufsichtsrat der Kleinbahn Niebüll – Dagebüll an. Sein Bauernhof stand dort, wo sich heute der Fernmeldeturm befindet.

Fritz-Jannsen-Straße
Fritz Jannsen, 1917 – 1995, Bauer, Ehrenbürger der Stadt Niebüll

Fritz Jannsen war der Sohn von Karl-Friedrich Jannsen. Nach dem Kriege trat er in die Freiwillige Feuerwehr ein und wurde 1955 Ortswehrführer, bald darauf Gemeindewehrführer, ein Amt, das er mit großer Leidenschaft ausfüllte und bis 1995 behielt. Groß ist die Zahl seiner Ehrenämter in Politik und Gesellschaft. 1990 verlieh ihm die Stadt Niebüll die Würde eines Ehrenbürgers. Die nach Fritz Jannsen benannte Straße im Gewerbegebiet Ost liegt in seinen ehemaligen Ländereien.

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