Verein für Niebüller Geschichte

Straßennamen nach Persönlichkeiten (2)     Seite 1

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Namen von Persönlichkeiten, denen Straßennamen
in Niebüll gewidmet wurden.
Fortsetzung:
  

Richard-Haizmann-Weg
Richard Haizmann, 1895 – 1963, Maler und Bildhauer

Richard Haizmanns künstlerische Laufbahn begann 1924 in Hamburg. Er arbeitete als Autodidakt und erreichte schnell einen gewissen Bekanntheitsgrad. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zerstörten SA–Trupps sein Skulpturenlager.
Richard Haizmann zog sich nach Niebüll zurück, wo er bei Walter Bamberger, Kunstlehrer an der FPS, Unterschlupf fand.
1986 wurde in den Räumen des alten Rathauses das Richard-Haizmann-Museum für moderne Kunst eröffnet. Es enthält Werke aus dem Nachlass des Künstlers und spätere Ankäufe. Das Museum zeigt heute neben der ständigen Ausstellung von Richard Haizmann wechselnde Ausstellungen mit Werken anerkannter Künstler.

Hans-Momsen-Straße
Hans Momsen, 1735 – 1811, Mathematiker

Der Fahretofter Landmann Hans Momsen erwarb im Selbststudium umfangreiche mathematische Kenntnisse, die er unter anderem als Landmesser anwandte. Er war in seiner Zeit ein berühmter Mathematiker, Mechaniker und Astronom. Als Deichvogt leitete er die Eindeichung des Juliane-Marienkooges.
Der Kreis Nordfriesland hat 1986 einen Preis für besondere kulturelle Verdienste geschaffen und ihn nach Hans Momsen benannt.

Jahnstraße
Friedrich Ludwig Jahn, 1778 – 1852, Begründer des deutschen Turnwesens

Friedrich Ludwig Jahn wird auch Turnvater Jahn genannt. Er legte 1811 in der Hasenheide in Berlin den ersten Turnplatz an. 1848 war er Mitglied in der Nationalversammlung und erlangte in der Folgezeit die volle Anerkennung als Bahnbrecher der Leibeserziehung.

Böhmestraße
Emilio Böhme, 1877 – 1921, Landrat

Emilio Böhme stammte aus Angeln und war seit 1914 Landrat des Kreises Tondern. Nach der Abstimmung 1920 kam er als Landrat nach Niebüll, um den bei Deutschland verbliebenen Restkreis Südtondern zu verwalten. Ein Unglücksfall mit einer einspännigen Pferdekutsche auf dem Gotteskoog-Deich setzte seinem Leben ein frühes Ende. Emilio Böhme wurde in Nieblum auf Föhr beigesetzt.

Kantstraße
Immanuel Kant, 1724 – 1804, Philosoph

Immanuel Kant war ein deutscher Philosoph im Zeitalter der Aufklärung. Er lebte in Königsberg/Ostpreußen, im heutigen Kaliningrad. Kant schuf mit seinem Werk eine neue, umfassende Perspektive in der Philosophie, die die Diskussion bis ins 21.Jh. maßgeblich beeinflusst.

Am Rollwagenzug
Behrend-Behrends-Weg

Johan Clawes Rollwagen, Generaldeichgraf, Höllander
Behrend Behrends, Holländer, Wasserbauer
In der Zeit von 1603 – 1649 gab es viele Bemühungen um die Erschließung des Gotteskooges. Durch die Neueindeichung der Wiedaumündung und der Dagebüller Bucht geriet der Gotteskoog weiter weg von der Nordsee. Dadurch wurde die natürliche Entwässerung des Schlicklandes im Gotteskoog völlig unzureichend. Sturmfluten und das Geestwasser aus der Karrharde sorgten für ständige Überflutungen des Kooges. Die Eigentümer erzielten keine Erträge, verarmten und verließen mit ihren Familien den Gotteskoog. Holländische Fachleute wurden mit der Trockenlegung des Kooges beauftragt. Johan Clawes Rollwagen legte im Jahre 1622 dem Herzog Friedrich III. einen Plan vor. 1623 wurde mit der Trockenlegung der Ländereien begonnen mit dem Bau des Rollwagenzuges vom Aventofter-See über den Gotteskoog-See nach Süden.

Ingwer-Dethlefsen-Straße
Ingwer Dethlefsen, 1827 – 1912, Gemeindevorsteher in Deezbüll

Ingwer Dethlefsen war von 1872 – 1908 Gemeindevorsteher in Deezbüll und von
1874 – 1911 ehrenamtlicher Standesbeamter. Er war einer der profiliertesten Persönlichkeiten in seiner Heimatgemeinde. In der schleswig-holsteinischen Bewegung kämpfte er für die Unabhängigkeit von Dänemark. Er war Mitbegründer des Nordfriesischen Vereins und des Frasche Feriins for Naibel-Deesbel än trinambai. Er war der Schwager von Prof. Carl Ludwig Jessen.

Küsterweg
Benannt nach Nis Albrecht Johannsen, 1855 – 1935, Lehrer, Küster, fries. Dichter

Nis Albrecht Johannsen war von 1885 – 1908 Lehrer an der Volksschule in Deezbüll. Es war üblich, dass ein Lehrer gleichzeitig eine Küstertätigkeit (Kirchendienste) übernehmen musste, da die Kirche die Schulaufsicht hatte. Er war einer der letzten Lehrer mit einer Küstertätigkeit. Nis Albrecht Johannsen wurde in Klockries geboren. Mit der friesischen Sprache und der Kultur ist er aufgewachsen und hat sich zeitlebens für sie eingesetzt. Seinem Wunsch entsprechend wurde er Lehrer in seiner Heimat. Neben seiner Lehrertätigkeit und besonders nach seiner Pensionierung verfasste er eine große Anzahl Gedichte und Erzählungen in friesischer Sprache. Er hat seiner friesischen Heimat einen großen Schatz hinterlassen.

Albrecht-Johannsen-Straße
Albrecht Johannsen, 1888 - 1967, Schulrat, fries. Dichter

Albrecht Johannsen war der Sohn des Deezbüller Lehrers, nach dem der Küsterweg benannt wurde. Er wurde ebenfalls Lehrer an verschiedenen Schulen in Nordfriesland, Rektor in Rödemis, Kreisschulrat im Kreis Südtondern und zuletzt in Flensburg.
Er hat sich um die Erhaltung, Wiederbelebung und Verbreitung seiner friesischen Muttersprache große Verdienste erworben. Sein Fahnenlied „gölj-rüüdj-ween“ (gold-rot-blau) stellt ihn auf den ersten Platz unter allen nordfriesischen Schriftstellern. Auch seine Gedichtbände sind bemerkenswert.

Busch-Johannsen-Straße
Gert Busch Johannsen, 1929 – 1979, Mikrobiologe, Unternehmer

Anfang der 1950er Jahre wurde das Unternehmen Wiesby mit Teilen seiner Produktion von Tondern nach Niebüll verlegt. 1953 übernahm der 24jährige Gert Busch Johannsen das Familienunternehmen. Man begann mit der Herstellung von Joghurt-Kulturen. Von kleinsten Anfängen entwickelte sich die Firma rasant am Standort Niebüll und expandierte. 1992 wurde ein Neubau in der Schmiedestraße im Niebüller Gewerbegebiet Süd errichtet.
Die Verbindungsstraße zum Peter-Schmidts-Weg wurde durch die Stadt Niebüll in Anerkennung seiner unternehmerischen Verdienste nach Gert Busch Johannsen benannt.
1998 wurde das Unternehmen von Danisco übernommen und entwickelte sich bis heute zu einem Weltunternehmen. Etwa 100 Länder werden für die Milch- und Fleischverarbeitung mit tiefgefrorenen Bakterienstämmen aus Niebüll beliefert.

Lornsenstraße
Uwe Jens Lornsen, 1793 – 1838, Jurist

Uwe Jens Lornsen wurde in Keitum auf Sylt geboren. Er studierte in Kiel und Jena Jura und begeisterte sich als Burschenschaftler für die Einigung Deutschlands. Professor Falk in Kiel weckte sein Interesse für die friesische Geschichte. Er wurde Kontorchef der Schleswig-Holsteinisch-Lauenburgischen Kanzlei in Kopenhagen. 1830 bewarb er sich um den Posten eines Landvogts auf Sylt. Lornsen strebte die Trennung der Herzogtümer von Dänemark an und wurde deswegen verhaftet und seines Amtes enthoben. Er hinterließ als Vermächtnis sein 1841 herausgegebenes Buch „Die Unionsverfassung Dänemarks und Schleswigholstein“(!), in dem er die Zukunft Schleswig-Holsteins im Rahmen eines deutschen Reiches unter der Führung Preußens beschrieb. Lornsen darf als Vordenker des neuzeitlichen Verfassungsstaates angesehen werden.

Petrejusstraße
Petrus Petrejus, 1695 – 1745, Probst

Petrus Petrejus war gebürtiger Deezbüller und dort Pastor von 1720 – 1734 bzw. 1736.
Zuvor war sein Vater Christian Peter Petrejus von 1694 – 1719 Pastor in Deezbüll.
Von 1742 – 1745 war Petrus Petrejus Probst in Eiderstedt. Er verfasste das dreibändige Werk „Historische Nachricht von den Merkwürdigkeiten des Amtes Tondern“.

Peter-Schmidts-Weg
Peter Sönnichsen, genannt Peter Schmidt, zwischen 1800 – 1900, Kunstschmied

Über Peter Schmidt hat Pastor Friedrich August Feddersen in seinem Buch „Erzählungen eines Dorfpredigers“ geschrieben: Weit ab vom Dorf liegt ein einsames Gehöft ( gemeint sind Niebüll und Legerade ). An dem Gehöft vorbei führt ein einsamer wild zerklüfteter Weg durch zerronnene uralte Dünengebilde, über die sich weithin die Marsch gelagert hat. Rechts heraus, wenn man vom Dorfe kommt, dehnt sich in weite Fernen die Heide. Jener Weg, Schmidtsweg genannt, führt seinen Namen nach einem längst verstorbenen Manne.
Derselbe, ein übrigens sehr kunstfertiger Schmied, von dessen Geschicklichkeit noch viele verschlungene schmiedeeiserne Monogramme an den Giebeln der Häuser zeugen, besaß das verbriefte Recht, von allen vorüberziehenden Handlungsreisenden und sonstigem fahrenden Volk einen Wegzoll zu erheben.
Davon soll er regen Gebrauch gemacht haben. Mit dem Wegzoll war die Verpflichtung verbunden, den Weg, an dem sein Gehöft lag, in der gesamten Länge in einem befahrbaren Zustand zu halten.

Rudolf-Diesel-Straße
Rudolf Diesel, 1858 – 1913, Erfinder

Rudolf Diesel erhielt 1892 ein Patent auf eine Verbrennungskraftmaschine und entwickelte 1893 – 1897 mit der Maschinenfabrik Augsburg und der Firma Friedrich Krupp den nach ihm benannten Hochdruckverbrennungs-motor. Das erste Modell steht heute im Deutschen Museum in München.
Im Gewerbegebiet Nord wurde nach ihm eine Straße benannt.

Robert-Bosch-Straße
Robert Bosch, 1861 – 1942, Industrieller

Robert Bosch gründete 1886 eine Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik, die spätere Bosch GmbH, eine Unternehmensgruppe mit zahlreichen Beteiligungsgesellschaften im In- und Ausland.
Sozialpolitisch trat Bosch durch die Einführung des Achtstundentages (1906) hervor.
Die nach ihm benannte Straße liegt im Gewerbegebiet Nord.
 


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